Kapitel 4
1. Оповідання

„Guten Morgen, Kaspar. Wie laufen die Vorbereitungen für die documenta? Darf ich dich zu einer Tasse Kaffee einladen?»
„Lieb von dir, Timo, tut mir leid, aber ich bin momentan total im Stress. Heute Abend passt es mir besser.»
Kaspar hat vor einem Gespräch mit Timo Angst. Wie soll er ihm sagen, dass er die künstlerische und finanzielle Zusammenarbeit mit ihm beenden möchte?
Als Kaspar sein Studium an der Kunstakademie begann, lernte er Timo kennen. Er ist etwas kleiner als Kaspar und hat helle glatte Haare. Er sieht sportlich aus und bewegt sich elegant. Er lächelt immer. Er hat im rechten Ohr einen kleinen goldenen Ring. Timo spricht sehr gut Französisch. Er war am Anfang für Kaspar eine große Hilfe.
Nächtelang haben sie in Timos Junggesellenwohnung*14 über Gott und die Welt diskutiert, über Kunst, Musik, Theater und über den Wunsch von Timo, eine eigene Galerie zu besitzen. Kaspar hielt sich gerne in der Wohnung seines zwei Jahre älteren Freundes auf.
14 Wohnung eines Mannes, der nicht verheiratet ist
Besonders gut verstand er sich mit Da Vinci, einem wunderschönen rotbraunen Kater, den Timo aus dem Tierheim geholt hatte.
Kaspar fühlt sich nicht wohl in seiner Haut. Er hat das Gefühl, dass er seit einigen Jahren in seiner Arbeit keine Fortschritte mehr macht. Gerade die Gespräche mit ausländischen Künstlern machten ihm deutlich: Du musst nach neuen Wegen, neuen Möglichkeiten suchen, dich erneuern, in eine andere Stadt ziehen. Routine kann tödlich sein.
Es fällt Kaspar schwer, Timo in die Augen zu sehen. Er sieht an ihm vorbei.
Die beiden Männer schweigen. Timo wird ungeduldig. Irgendetwas stimmt nicht. Kaspar ist anders als sonst.
„Timo, es fällt mir nicht leicht, aber ich muss dir sagen …» Kaspar schwitzt’5. Mit einem Taschentuch wischt er ein paar Schweißperlen von seiner Stirn. Timo ist ratlos. Was hat das alles zu bedeuten? Was will ihm Kaspar sagen?
Schon seit mehreren Tagen hat Timo den Eindruck, dass Kaspar sich ihm gegenüber merkwürdig*16 verhält. Bis heute hat er geglaubt, dass der Grund dafür die Vorbereitungen für die Kunstausstellung seien. Fragend blickt er Kaspar an.
15 transpiriert; schwitzen: Wasser auf der Haut, wenn es sehr heiß ist
16 anders als das Normale; bizarr
„Es ist an der Zeit, dass sich unsere Wege trennen. Wir arbeiten seit fast zwanzig Jahren zusammen. Eine lange Zeit. Wir kennen uns gut. Vielleicht zu gut. Timo, ich habe die Absicht, in Zukunft mit einem anderen Galeristen zu arbeiten … So, jetzt ist es heraus*17.» Timo wird weiß im Gesicht. Tausend Gedanken gehen durch seinen Kopf. Er kann, er will nicht glauben, dass sein Freund ihn einfach so fallen lässt.
Ein Wort nimmt Besitz von Timo: Rache*18.
17 es ist gesagt
18 Strafe für jemanden, der einem etwas Böses angetan hat
